Ausstellung: 20 aus 20


Vom 16.Juli bis 01.August 2021 stellte designxport die zwanzig besten Abschlussarbeiten Hamburger Absolvent*innen des Jahrgangs 2020 aus. Die Themen der Arbeiten zeigten ein breites Spektrum gesellschaftspolitischen Engagements. Sie beschäftigten sich unter anderem mit Klimaaktivismus, Gleichberechtigung, Interkulturalität oder unserer Erinnerungskultur. Die Projekte sind anspruchsvoll, klug, überraschend und positionieren die Disziplin Design als Methode mit Lösungskompetenzen für aktuelle Herausforderungen, die sich neugierig mit Zukunftsfragen beschäftigt.

Fotos: Laura Müller

Bluetube / Timo Riemann (*1992) / Hochschule für bildende Künste Hamburg

Innerhalb von Timo Riemanns Arbeiten treffen seine Erfahrungen aus der Tischlerei auf seine persönliche Auseinandersetzung mit Design. In seiner Gestaltung sucht er den Austausch zwischen Funktionalität und Struktur auf der einen, und Spiel und Zufall auf der anderen Seite. 

Yeast and Sugar – gestalterische Forschungsarbeit zur Färbung von Textilien mit Bakterien / Katharina Kudryashov (*1994) / Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

An der Schnittstelle von Textildesign, Mikrobiologie und Nachhaltigkeit forscht und gestaltet Katharina Kudryashov. In Kooperation mit der Universität Hamburg hat sie Experimente begleitet, die das Herstellen von Textilfarbe mit der Hilfe von Bakterien erproben. Diese Alternative könnte den konventionellen Einsatz von chemischen Farben reduzieren und eine sowohl ökologisch nachhaltige als auch ressourcenschonende Option für die Zukunft sein.

Revive / Isabelle Pryzwanski (*1998) / University of Applied Sciences Europe

Isabelle Pryzwanski verbindet in den ausgestellten spekulativen Designs die Gegensätze von Sehnsucht nach Achtsamkeit und Ruhe mit denen einer digitalen Gesellschaft, die aus der Schleife von Multitasking, Burn-out, Leistungsdruck und der ständigen Erreichbarkeit nicht herausfindet. Mit ihren entworfenen Tools sollen Technik und Digitalisierung nicht gegen, sondern mit und für die Menschen arbeiten.

Identitätsbildung einer Subkultur. Die Evolution des Skateboardens / David Czinczoll (*1986) / Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg 

Im Zuge seiner Masterarbeit suchte David Czinczoll die Auseinandersetzung mit der Skate-Szene. Seine multi-medial angelegte Dokumentation decodiert die visuellen und kulturellen Referenzen dieser Subkultur und lassen ihre Identität nachvollziehbar werden. 

beautype / Mike Dziambor (*1999) / Kunstschule Wandsbek

Mike Dziambor setzt sich mit dem großen Potenzial von Kreativität und Spiel für die Typographie auseinander. Als Kommunikationsdesigner begleiten ihn die Bereiche Editorial und Type Design. Seine Begeisterung für etablierte Schriften bestärkte ihn darin, selbst Glyphen und Schriftsätze zu entwickeln. Mit Hilfe von Augmented Reality, schafft er eine Verbindung von analoger und digitaler Typografie.

Vorhergesehnsucht / Esther Heltschl (*1996) / Hochschule für bildende Künste Hamburg

Woher kommen die Bilder, welche die Sehnsucht und das Fernweh in den eigenen Gedanken visualisieren? Esther Heltschl hat diese innere Sehnsucht nach fernen Orten mit den äußeren Bilderwelten abgeglichen, indem sie sich auf eine virtuelle Reise durch google earth 3D begeben hat.

ebenda / Marina Cordes (*1993) & Signe Heldt (*1989) / Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg 

Marina Cordes und Signe Heldt porträtieren in ihren Fotografien sowohl den urbanen Raum als auch dessen Bewohner*innen: Über eineinhalb Jahre haben Familien aus Steilshoop den zwei Studentinnen ihre Türen geöffnet und sowohl ihre Geschichten als auch ihren Alltag mit ihnen geteilt.
 

»Ernst oder Panik?« – Knetanimation als Reportage / Marlin van Soest (*1988) / Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg 

Bei Marlin van Soest treffen Audiospuren auf Knet-
Trickfilme: Basierend auf kurzen Gesprächen, die er mit Menschen führt, entstehen Tonspuren, welche die Meinungen und Beobachtungen der Interviewten in Bezug auf die Corona-Pandemie einfangen.

Human Objects / Benjamin Haag (*1994) / Hochschule für bildende Künste Hamburg 

Innerhalb der drei Kurzfilme spielen die Darstellenden Objekte und reflektieren über die These, ob Dinge mit einer Persönlichkeit ausgestattet sind. Der von Benjamin Haag gewählte vermenschlichte Blick auf Dinge schafft sowohl Annäherung wie Distanz zu Objekten und lädt zum Nachdenken über unser Verständnis des Begriffs Persönlichkeit ein.

Furore – Online-Magazin für Klimaprotest / Linda Rammes (*1998) / Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg  

Linda Rammes arbeitet an der Schnittstelle von Design und Politik. Sie fragt, wie man mit Design politische Diskurse anleiten, begleiten und gestalten kann. Mit dem Online-Magazin »Furore« konzentriert sie sich auf die Klimakrise und macht die Vielfalt von Protestbewegungen sichtbar. Mit den in der ersten Ausgabe vorgestellten Aktivist*innen von »Fridays for Future«, »Extinction Rebellion« und »Alle Dörfer Bleiben« gibt sie Klimaaktivist*innen eine Bühne.

Tayah / Esra Birsen (*1997) / Design Factory International

»Tayah« ist eine Wendejacke für junge muslimische und nicht-muslimische Menschen. Das Innenfutter der Jacke ist durch einen Gebetsteppich ersetzt und hilft jungen Muslim*innen die Gebete pünktlich und überall zu praktizieren. Damit trägt man die Gebetsutensilien bewusst an sich selbst.

oertl – ein Servicekonzept zur Verhinderung des Ladensterbens / Til Andressen (*1997) / Design Factory International 


Onlineshopping verändert die urbane lokale Identität: Einzelhändler*innen müssen ihre Geschäfte schließen und die lokale Infrastruktur wird geschwächt. Til Andressen greift diese Beobachtung auf und fragt, wie eine attraktive Alternative zu den großen Onlineshops aussieht. Mit »oertl« gestaltet er einem nachhaltigen digitalen Ansatz, der Konsument*innen und Ladenbesitzer*innen auf lokaler Ebene vernetzt.

After the Fuck / Janine Karber (*1988) / Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

Janine Karber setzt sich mit der Thematik der Abtreibung im Spannungsfeld von Gesellschaft, Feminismus und dem Einfluss von Kirche und Staat auf den weiblichen Körper auseinander. Sie beleuchtet die Frage, was Gleichbe-rechtigung heute heißt, und wie durch Design der Diskurs über patriarchale Rollenbilder angestoßen werden kann.

Instant Fashion / Pepe Jo Kaul (*1994) / Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg 

An der Schnittstelle von Alltagskultur und Mode übersetzt Pepe Jo Kaul die Ästhetik von asiatischen Lebensmittelverpackungen auf Kleidungsstücke. Seine Modekollektion sucht über Farben und Motive das Spiel und den Spaß. Dabei sind zeitgenössische Kunst und moderne Popkultur keine Gegensätze, sondern für ihn wichtige Inspirationsquellen, die sich in seiner kreative Arbeit immer wiederfinden lassen.

&narrativ – How to understand a designers daily struggle / Tabea Martin (*1995) / Design Factory International 

Was machen eigentlich Designer*innen? Tabea Martin stellte fest, dass die Vorstellungen von Außenstehenden den Aufgaben und der Relevanz von Designer*innen nicht entsprechen. Anstelle von Wertschätzung ihrer Arbeit muss sie sich immer wieder für ihre Passion rechtfertigen und erklären. Tabea Martin betont: »Es geht um die Komplexität unseres Berufes und die Systemrelevanz der Kreativbranche — Aufklärung und Transparenz sollen Wertschätzung schaffen!« Ihr Buch »&narrativ« ist daher für Nichtdesigner*innen.


Hicks – Ein Leben mit Ticks / Marie Hartig (*2000) / Kunstschule Wandsbek

Rund 500.000 Menschen leben mit dem Tourette- syndrom, jedoch mangelt es an Aufklärung und Akzeptanz in der Gesellschaft. Mit »Hicks — Ein Leben mit Ticks« hat Marie Hartig das Corporate Design für ein Haus entworfen, das über das Tourettesyndrom aufklärt und Menschen mit Tourettesyndrom einen Ort zum Austausch gibt.
 

Clownesse. Humor ist kompliziert. / Jana Rothe (*1996) / University of Applied Sciences Europe

Als eine Art Außenstehende, als Spiegel oder Grenzgänger sind Clowns unbequem, absurd und unterhaltsam. In ihrer Arbeit thematisiert Jana Rothe die Geschlechterrolle und macht die zeitgenössische weibliche Clownerie sichtbar. 

Kalokagathia / Sanja Philipp (*1995) / Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg 

Sanja Philipp hinterfragt durch ihre vierteilige und geschlechtsunspezifische Kollektion, wie sich die Begriffe von Körper und Schönheit über die Jahrhunderte verändert haben. Sie kombiniert visuelle Referenzen und Kontraste aus der Antike mit der US-amerikanischen Cowboy-Kultur.

Hermann – Gegen sein Gewissen / Hannah Brinkmann (*1990) / Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg 

1957 wurde der Militärdienst für jeden 18-Jährigen zum Pflichtdienst - und das, obwohl im Grundgesetz jedem deutschen Staatsbürger das Recht zugestanden wurde, den Kriegsdienst zu verweigern. Im Zuge der 68er-Bewegung rebellierten viele Männer gegen die Wehrpflicht und verweigerten den Kriegsdienst. Hannah Brinkmanns Onkel Hermann Brinkmann war einer von ihnen. In ihrer Graphic Novel erzählt sie Hermanns Geschichte.